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Symbolische Ansicht einer Schweizer Stadt mit Alpen und neutraler Wirtschaftsgrafik
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WirtschaftAnalyse17:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

SNB hebt Wachstumsausblick an – die Industrie bleibt trotzdem unter Druck

Die bessere SNB-Prognose verdeckt nicht alle Risiken: Die Industrie bleibt unterausgelastet, während Wechselkurs und Weltwirtschaft offen sind.

Eine bessere Prognose, kein Entwarnungssignal

Das Quartalsheft der Schweizerischen Nationalbank bündelt eine Lage, die sich nicht in eine einzige Richtung lesen lässt. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die SNB inzwischen mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 1,5 bis 2 Prozent; für 2027 bleibt sie bei rund 1,5 Prozent. Das ist deutlich zuversichtlicher als frühere Erwartungen in diesem Jahr.

Gleichzeitig warnt die Notenbank vor einer allzu einfachen Erfolgsgeschichte. Zwar sei das Wachstum im zweiten Quartal stärker ausgefallen als erwartet und – auch ohne einzelne Sondereffekte – solide und breit abgestützt gewesen. Doch insbesondere die Industrie blieb unterdurchschnittlich ausgelastet. Zudem stieg die Arbeitslosigkeit laut SNB bis in den Frühsommer nochmals an.

Weshalb Breite nicht Gleichförmigkeit bedeutet

Die Formulierung «breit abgestützt» beschreibt, dass die Konjunktur nicht allein an einer einzelnen Branche hängt. Sie bedeutet jedoch nicht, dass alle Teile der Wirtschaft gleich gut laufen. Gerade für ein exportorientiertes Land ist diese Differenz entscheidend: Dienstleistungen und binnenorientierte Bereiche können stabilisieren, während internationale Nachfrage, Preise und Wechselkurse die Industrie gleichzeitig belasten.

Der Befund spricht gegen zwei verbreitete Kurzschlüsse. Weder lässt sich aus einer besseren BIP-Prognose ableiten, dass der Druck auf exportierende Unternehmen vorbei ist. Noch ist eine schwächere industrielle Auslastung für sich allein ein Beweis einer Rezession. Der konjunkturelle Takt der Schweiz wird von mehreren Branchen und von einem globalen Umfeld bestimmt, das rasch drehen kann.

Inflation bleibt Teil der Rechnung

Die Geldpolitik richtet sich nicht nur nach der Wachstumsvorhersage. Die SNB beurteilt Preisentwicklung, Erwartungen, Wechselkurs und Konjunktur zusammen. Ihre bedingte Inflationsprognose geht laut Lagebeurteilung davon aus, dass die Inflation im vierten Quartal zunächst noch etwas steigt und im Verlauf von 2027 wieder zurückgeht.

Für Haushalte heisst das: Ein besserer Wachstumsausblick sagt nichts Direktes über die individuelle Teuerung aus. Energie, Mieten, Krankenkassenprämien und die Zusammensetzung des Warenkorbs entwickeln sich unterschiedlich. Für Unternehmen bleibt die Frage zentral, ob höhere Kosten an Kundinnen und Kunden weitergegeben werden können – und ob dies die Nachfrage dämpft.

Neutral dargestellte Schweizer Produktionsumgebung mit Präzisionsmaschinen
Symbolbild: Unterschiedliche Branchen senden unterschiedliche Konjunktursignale. · JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild

Der Franken bleibt ein wirtschaftspolitischer Faktor

Von besonderer Bedeutung ist die Wechselkursentwicklung. Der Franken wirkt für Schweizer Haushalte häufig als Schutz gegen importierte Teuerung. Für exportierende Firmen kann eine abrupte Aufwertung hingegen die Margen und Preise im Ausland unter Druck setzen. Die SNB nennt neben der Weltwirtschaft deshalb ausdrücklich das handelspolitische Umfeld und den Wechselkurs als Unsicherheitsfaktoren.

Diese Doppelrolle erklärt, weshalb eine Nationalbank nicht einfach auf «starkes Wachstum» oder «tiefe Inflation» reagieren kann. Entscheidend ist das Zusammenspiel. Ein nachlassender Auslandimpuls kann sich durch einen stärkeren Franken verstärken; umgekehrt können sich internationale Preisimpulse in einer offenen Volkswirtschaft rasch bemerkbar machen.

Was der neue Ausblick offenlässt

Die SNB nennt die mögliche Zuspitzung im Nahen Osten als wichtigstes Risiko für die Weltwirtschaft. Daneben bleiben handelspolitische Veränderungen und der Wechselkurs offen. Prognosen sind daher Szenarien unter Annahmen, keine Zusagen.

Die wichtigste Aussage des Quartalshefts lautet deshalb nicht, dass die Schweizer Wirtschaft «gut» oder «schlecht» läuft. Sie lautet: Die Basis ist belastbarer geworden, die Verwundbarkeiten sind aber sichtbar. Für Politik und Unternehmen ist diese Kombination anspruchsvoller als eine klare Krise – und aussagekräftiger als ein einzelner Wachstumswert.

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