
Uno-Generalversammlung: Trump droht Iran, Katar und Türkei rücken Gaza ins Zentrum
Auf derselben Uno-Bühne prallen zwei Prioritäten aufeinander: Washington erhöht den Druck auf Teheran, Doha und Ankara verlangen Konsequenzen für Israel.
Die Bühne war dieselbe, die Krisendiagnose grundverschieden. Zum Auftakt der Generaldebatte der Uno-Generalversammlung in New York stellte US-Präsident Donald Trump den Konflikt mit Iran ins Zentrum. Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan richteten den Blick dagegen auf Gaza, Israel und die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen.
Die Reden zeigen mehr als diplomatische Uneinigkeit. Washington verbindet militärischen Druck mit einem Verhandlungsangebot an Teheran. Doha und Ankara verlangen, dass die bestehende Waffenruhe in Gaza vollständig umgesetzt und Israel dafür international stärker in die Pflicht genommen wird. Ein gemeinsamer regionaler Fahrplan war am Dienstag zunächst nicht erkennbar.
Trump verschärft den Ton – und meldet zugleich Gespräche
Trump verteidigte vor der Generalversammlung den Krieg gegen Iran und forderte Teheran auf, die Strasse von Hormus vollständig wieder zu öffnen sowie an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Nach Berichten von Associated Press und Al Jazeera stellte er die iranische Führung öffentlich vor die Alternative, eine Vereinbarung zu schliessen oder mit weiterer Zerstörung rechnen zu müssen. Ein grosser Teil der iranischen Delegation verliess während seiner Rede den Saal.
Die martialische Rhetorik war jedoch nur eine Seite der amerikanischen Botschaft. Später sagte Trump laut Al Jazeera, Vertreter beider Staaten hätten sich rund drei Stunden getroffen. Eine unabhängige Bestätigung und konkrete Ergebnisse lagen zunächst nicht vor. Gerade dieser Gegensatz ist entscheidend: Die Rede erhöhte den Preis eines Scheiterns, während die Gespräche hinter den Kulissen einen Ausweg offenhalten sollten.
Für die Region bleibt die Meerenge von Hormus ein neuralgischer Punkt. Durch sie führt ein bedeutender Teil des weltweit gehandelten Erdöls. Schon die Erwartung längerer Störungen kann Frachtraten, Versicherungsprämien und Energiepreise bewegen. Aus Trumps Aussage folgt deshalb noch keine Entspannung; dafür wären überprüfbare Schritte zur Schifffahrt und ein belastbarer Verhandlungsrahmen nötig.
Katar fordert Garantien für die Gaza-Waffenruhe
Katars Emir setzte einen anderen Schwerpunkt. Sheikh Tamim erklärte, sein Land arbeite weiter daran, die Waffenruhe in Gaza zu festigen und einen dauerhaften Frieden zu erreichen. Israel müsse seine Verpflichtungen vollständig erfüllen: die Militäroperationen beenden, sich zurückziehen, die Blockade aufheben und humanitäre Hilfe ohne Bedingungen ermöglichen. Die internationale Gemeinschaft solle die Umsetzung überwachen und Druck ausüben.
Damit spricht Katar zugleich als politischer Akteur und als Vermittler. Doha war in den vergangenen Jahren wiederholt an indirekten Kontakten zwischen Israel, Hamas und den USA beteiligt. Diese Rolle verschafft dem Emirat Zugang zu den Parteien, macht es aber auch angreifbar: Jede Verletzung einer Vereinbarung kann als Beleg dafür gelesen werden, dass Vermittlung ohne wirksame Garantien nicht genügt.

Erdoğan greift Israel und die Uno an
Erdoğan wählte die schärfste Sprache. Er warf der israelischen Regierung ein «genozidales» Vorgehen vor und bezeichnete Gaza als Symbol des Versagens der internationalen Ordnung. Zugleich kritisierte er die Struktur der Uno und verlangte eine Reform des Sicherheitsrats sowie ein Ende des Vetoprivilegs der fünf ständigen Mitglieder.
Der Genozidvorwurf ist eine politische und rechtliche Anschuldigung, kein abschliessend festgestellter Sachverhalt. Israel weist ihn zurück und erklärt, es führe einen Verteidigungskrieg gegen die Hamas und bemühe sich um die Begrenzung ziviler Schäden. Das Verfahren Südafrikas gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof ist weiterhin anhängig. Die gegensätzlichen Positionen müssen deshalb klar getrennt werden.
Erdoğans Rede knüpft an eine breitere Kritik an: Staaten wie die Türkei und Katar sehen im Umgang mit Gaza einen Test dafür, ob internationale Regeln gleichmässig angewandt werden. Die USA wiederum behandeln Iran, die Sicherheit Israels und die Freiheit der Schifffahrt als zusammenhängende strategische Frage. Beide Sichtweisen berühren dieselbe Region, setzen aber unterschiedliche Ursachen und Prioritäten.
Eine Generaldebatte ersetzt keine Verhandlung
Die 81. Generaldebatte steht unter dem Uno-Leitmotiv, Vertrauen wiederherzustellen und den Wandel zu bewältigen. Der erste Tag machte sichtbar, wie weit dieses Ziel entfernt ist. Reden vor der Vollversammlung schaffen Öffentlichkeit und markieren rote Linien. Verhandelt wird jedoch in kleineren Formaten, bei bilateralen Treffen und über Vermittler.
Für die Schweiz sind zwei Ebenen relevant. Als offene Volkswirtschaft ist sie von Energiepreisen und sicheren Handelswegen abhängig. Als Sitzstaat des internationalen Genf hat sie zudem ein Interesse daran, dass multilaterale Institutionen handlungsfähig bleiben. Daraus folgt keine automatische Schweizer Vermittlerrolle, wohl aber ein konkretes Interesse an überprüfbaren Vereinbarungen statt ständig neuen Drohungen.
Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Gespräche hinter den Kulissen mehr hervorbringen als parallele Monologe. Entscheidend sind nicht die schärfsten Sätze in New York, sondern überprüfbare Schritte: freie Schifffahrt in der Strasse von Hormus, eingehaltene Zusagen in Gaza und ein Verfahren, in dem Konfliktparteien überhaupt weiter miteinander sprechen.
Quellen
- Uno: Generaldebatte der 81. Generalversammlung
- Uno: High-Level Week 2026
- Amiri Diwan Katar: Teilnahme des Emirs an der Generalversammlung
- Türkiye Directorate of Communications: Erdoğans Uno-Schwerpunkte
- Al Jazeera: Liveblog zur Uno-Generalversammlung
- Al Jazeera: Erdoğans Rede vor der Uno
- Associated Press: Trumps Uno-Rede und Iran-Gespräche



