
VW-Rückruf wegen Lenkung: Was Besitzer in der Schweiz wissen müssen
Eine korrosionsgefährdete Schraube kann im Extremfall die Lenkung beeinträchtigen. Weltweit sind rund 2,86 Millionen VW und Audi erfasst; die Schweizer Zahl ist noch offen.
Volkswagen und Audi prüfen weltweit rund 2,86 Millionen Fahrzeuge wegen einer möglichen Schwachstelle an der Befestigung des Lenkgetriebes. Im ungünstigsten Fall kann eine korrodierte Schraube brechen und die Lenkung beeinträchtigen. Für Besitzerinnen und Besitzer in der Schweiz ist jedoch entscheidend, was die grosse Zahl nicht sagt: Ob das eigene Auto betroffen ist, lässt sich nur über die Fahrzeugidentifikationsnummer und die offizielle Rückrufabwicklung klären.
Eine Schraube ist der Ausgangspunkt
Nach den veröffentlichten Rückrufangaben kann Feuchtigkeit an eine Befestigungsschraube gelangen, mit der das Lenkgetriebe am Hilfsrahmen fixiert ist. Korrosion kann die Schraube über längere Zeit schwächen. Bricht sie, kann sich das Lenkgetriebe bewegen; im Extremfall ist die Lenkbarkeit eingeschränkt.
Der Rückruf ist deshalb sicherheitsrelevant, aber keine Meldung über Millionen bereits ausgefallene Lenkungen. Volkswagen erklärte nach den verfügbaren Angaben, es seien keine Unfälle oder Verletzungen bekannt, die auf den beschriebenen Fehler zurückgingen. Die Massnahme soll das Risiko beseitigen, bevor es sich im Strassenverkehr verwirklicht.

Welche Fahrzeuge genannt werden
Die deutsche Kraftfahrt-Bundesamt-Dokumentation erfasst nach Medienberichten rund 2,16 Millionen Fahrzeuge der Marke Volkswagen und etwa 700'000 Audi. Genannt werden unter anderem bestimmte Bauzeiträume von Tiguan, Touran, Golf, Golf Variant, Golf Sportsvan und Caddy sowie beim Audi Q3. Die Produktion reicht je nach Modell ungefähr von 2013 bis 2024.
Solche Modelllisten sind ein Hinweis, aber kein verlässlicher Selbsttest. Baureihe, Markt, Produktionsdatum und verbautes Teil können sich unterscheiden. Auch Rückrufe in Kanada oder den USA haben teilweise einen engeren Umfang als die europäische Aktion. Wer nur Marke und Modelljahr vergleicht, kann das eigene Fahrzeug deshalb fälschlich ein- oder ausschliessen.
Schweizer Umfang noch nicht beziffert
Eine öffentlich bestätigte Gesamtzahl für die Schweiz lag zum Redaktionsschluss nicht vor. Das bedeutet nicht, dass Schweizer Fahrzeuge ausgeschlossen sind. Bei internationalen Sicherheitsaktionen gleichen Hersteller und Importeure die Fahrgestellnummern ab und kontaktieren die registrierten Halter, sobald die nationale Liste feststeht.
AMAG empfiehlt bei Rückrufen, eine offizielle Mitteilung abzuwarten oder die Fahrgestellnummer über die vorgesehenen Hersteller- und Händlerkanäle prüfen zu lassen. Die 17-stellige Nummer steht im Fahrzeugausweis und am Fahrzeug. Persönliche Daten sollten nicht auf beliebigen Rückrufseiten eingegeben werden.
Reparatur soll überschaubar sein
Nach den bislang publizierten Angaben wird die betroffene Befestigungsschraube in der Werkstatt ersetzt und der Bereich kontrolliert. Der Eingriff soll weniger als eine Stunde dauern und im Rahmen des Rückrufs kostenlos sein. Der tatsächliche Zeitbedarf hängt von Termin, Fahrzeugzustand und Werkstattablauf ab.
Ein Rückruf ist nicht dasselbe wie eine generelle Stilllegung aller genannten Modelle. Ohne ausdrückliche Anweisung des Herstellers oder einer Behörde lässt sich aus der Ankündigung kein pauschales Fahrverbot ableiten. Veränderungen im Lenkgefühl, ungewöhnliches Spiel oder Geräusche sollten dennoch zeitnah fachlich abgeklärt werden; sie beweisen den Rückruffehler nicht, können aber sicherheitsrelevant sein.
Was Besitzer jetzt tun können
Erstens lohnt sich ein Blick auf offizielle Rückrufinformationen des Herstellers und des Schweizer Importeurs. Zweitens sollte die Fahrgestellnummer bereitliegen. Drittens ist bei einer Einladung ein Werkstatttermin zeitnah zu vereinbaren. Bereits privat verkaufte Fahrzeuge sind ein zusätzlicher Grund, Kontaktdaten und Halterwechsel korrekt zu führen.
Wer einen Gebrauchtwagen kaufen will, kann sich bestätigen lassen, dass offene Rückrufarbeiten erledigt wurden. Eine Werkstattrechnung ersetzt dabei nicht zwingend die Abfrage im Herstellersystem, weil Rückrufmassnahmen fahrzeugbezogen dokumentiert werden.
Die grosse Zahl braucht eine individuelle Prüfung
Die weltweite Dimension macht den Fall für Volkswagen teuer und organisatorisch anspruchsvoll. Für einzelne Halter entscheidet aber nicht die Schlagzeile über Millionen Fahrzeuge, sondern die eindeutige Zuordnung ihres Autos. Bis der Schweizer Umfang feststeht, sind weder Entwarnung noch Alarmismus angebracht.
Der sachgerechte Schritt ist einfach: offizielle Kanäle nutzen, Fahrgestellnummer prüfen und eine angeordnete Reparatur nicht aufschieben. So wird aus einem möglichen Lenkungsrisiko eine kontrollierbare Werkstattmassnahme.
Quellen
NZZ: Millionen VW- und Audi-Fahrzeuge mit möglichem Lenkungsproblem
Transport Canada: Rückruf 2026-439 zu Volkswagen und Audi


