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Abstraktes Symbolbild für vernetzte Verteidigungstechnologie und sichere Lieferketten in der Schweiz.
KI-generiertes Symbolbild · JournalPlus
SchweizAnalyse11:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

KI, Drohnen und Cyber: Warum die Schweiz ihre Beschaffung umbauen muss

Neue Systeme veralten schneller als klassische Grossprojekte. Entscheidend ist deshalb nicht nur, was die Armee kauft, sondern ob sie testen, integrieren, nachrüsten und verantworten kann.

Wer über eine Hightech-Revolution in der Verteidigung spricht, denkt oft zuerst an spektakuläre Bilder: kleine Drohnen über dem Gefechtsfeld, künstliche Intelligenz bei der Auswertung von Bildern oder Cyberangriffe auf Bildschirme. Für die Schweiz liegt die schwierigere Frage jedoch vor dem Einsatz. Sie lautet: Kann ein System rechtzeitig beschafft, sicher in bestehende Strukturen eingebunden, aktualisiert und im Ernstfall instand gehalten werden?

Der Bundesrat hat die Antwort inzwischen strategisch umrissen. Die Sicherheitspolitische Strategie 2026 priorisiert Resilienz, Schutz und Verteidigungsfähigkeit. Als wahrscheinliche Risiken nennt sie hybride Bedrohungen und Angriffe aus der Distanz. Die Leitlinien für die Verteidigung ergänzen: Schutz kritischer Infrastrukturen, Führungsfähigkeit, Drohnenabwehr, elektronische Kriegführung sowie der Schutz von Netzwerken und Daten sollen Vorrang erhalten.

Das ist mehr als eine Liste neuer Geräte. Es ist ein Eingeständnis, dass sich die Logik der Beschaffung ändern muss.

Der Engpass ist die Zeit zwischen Test und Einsatz

Klassische Rüstungsprogramme werden häufig über viele Jahre geplant. Bei Software, Sensoren, Drohnenabwehr oder digitalen Kommunikationssystemen kann diese Zeitspanne problematisch werden: Die Technologie entwickelt sich rasch weiter, Bedrohungen ändern sich, und ein System verliert unter Umständen an relativer Leistungsfähigkeit, noch bevor es breit eingeführt ist.

Die Rüstungspolitische Strategie des Bundesrats reagiert darauf mit einem klaren Kurs. Beschaffungen sollen schneller, flexibler und stärker entlang der Technologiezyklen erfolgen. Wo es sinnvoll ist, soll die Armee auf am Markt verfügbare Systeme setzen, die internationalen Standards entsprechen. Sonderanforderungen, die nur für die Schweiz entwickelt werden müssten, sollen reduziert werden.

Symbolbild für Wartung, Tests und Lieferketten bei sicherheitsrelevanter Technologie.
KI-generiertes Symbolbild: Entscheidend ist nicht allein der Kauf eines Systems, sondern seine Verfügbarkeit über Jahre. · KI-generiertes Symbolbild · JournalPlus

Das ist kein Detail aus der Verwaltung. Es betrifft die Einsatzfähigkeit. Ein technisch gutes System nützt wenig, wenn Ersatzteile fehlen, Updates zu spät kommen oder es mit Partnern und bestehenden Führungsnetzen nicht zuverlässig zusammenarbeitet. Umgekehrt kann eine marktverfügbare Lösung nur dann sinnvoll sein, wenn sie in die Schweizer Sicherheitsarchitektur passt und rechtlich wie operativ beherrscht wird.

Geschwindigkeit braucht überprüfbare Grenzen

Schneller beschaffen darf dabei nicht mit unkritisch beschaffen verwechselt werden. Gerade bei sicherheitsrelevanter Software, Sensorik und Funkverbindungen braucht es Erprobung, unabhängige technische Bewertung und klar definierte Einsatzgrenzen. Der Gewinn entsteht, wenn diese Prüfungen früh und wiederholt erfolgen – nicht wenn sie am Ende eines verkürzten Projekts nachgeholt werden müssen.

Souveränität heisst nicht: alles im Inland bauen

Die Schweiz kann nicht jede sicherheitsrelevante Technologie selbst herstellen. Ihre Rüstungspolitik formuliert deshalb keinen Autarkieanspruch. Sie verbindet inländische Fähigkeiten mit europäischer Zusammenarbeit: Für Güter ausserhalb des Staatsvertragsbereichs strebt sie – sofern wirtschaftlich und sicherheitspolitisch sinnvoll – einen höheren Anteil von Beschaffungen in der Schweiz und in Europa an.

Das Ziel dahinter ist konkreter als ein Herkunftsetikett. Es geht um Wissen, Wartung, sichere Datenwege und Lieferketten, die in einer Krise nicht abrupt abreissen. Die Strategie sieht etwa vor, kritische Lieferketten zu identifizieren, Abhängigkeiten zu verringern und Lieferanten zu diversifizieren. Sie will zudem Tests und Evaluationen stärker international austauschen.

Für Herr und Frau Schweizer ist diese Ebene unmittelbar relevant, auch wenn sie unsichtbar bleibt. Eine unterbrochene Lieferkette oder ein nicht aktualisiertes System trifft nicht nur die Armee. Bei digitalen oder dual nutzbaren Technologien können auch Verkehr, Energieversorgung, Kommunikation und Notfallorganisationen betroffen sein.

KI soll Entscheidungen stützen – Verantwortung bleibt menschlich

Beim Zentrum für Künstliche Intelligenz und Simulation des VBS wird an Anwendungen gearbeitet, die Bedrohungen erkennen, priorisieren und die Ausbildung unterstützen. Auch die automatisierte Auswertung von Bildern und die Simulation von Drohnenschwärmen gehören zu den öffentlich beschriebenen Projekten.

Das kann die Lageauswertung beschleunigen. Es ersetzt aber nicht die politische, rechtliche und militärische Verantwortung. Die veröffentlichten Vorhaben beschreiben Unterstützung bei Erkennung, Priorisierung, Planung und Training. Gerade deshalb muss transparent bleiben, wer Entscheidungen trifft, wie Daten geschützt werden und wie sich fehlerhafte oder manipulierte KI-Ergebnisse erkennen lassen. Geschwindigkeit darf nicht dazu führen, dass Verantwortung im System verschwindet.

Dual-Use macht die Grenze durchlässiger

Der Bund fördert mit einer gemeinsamen Initiative von Innosuisse und armasuisse Technologien, die zivil und sicherheitspolitisch genutzt werden können. Im Fokus stehen unter anderem robuste Navigation und Zeitmessung, sichere Kommunikation sowie die Erkennung und Abwehr von Drohnen. Diese Themen zeigen, weshalb Verteidigung nicht mehr nur eine Frage militärischer Plattformen ist.

Die neue Technologiepolitik wird sich deshalb nicht daran messen lassen, wie viele Schlagworte oder Einzelgeräte präsentiert werden. Entscheidend sind kürzere, nachvollziehbare Beschaffungswege, belastbare Wartung, abgesicherte Daten und klare Regeln für den Einsatz. Erst wenn diese Kette funktioniert, wird aus technischer Innovation tatsächliche Sicherheit für die Schweiz.

Quellen

VBS: Sicherheitspolitische Strategie 2026

VBS: Leitlinien für die Verteidigung

armasuisse: Rüstungspolitische Strategie des Bundesrates

VBS: Innosuisse und armasuisse lancieren Projektausschreibung für Dual-Use-Technologien

Bundesamt für Cybersicherheit: Nationale Cyberstrategie

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