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Bundeshaus, Container und Zollanlage stehen symbolisch für die Schweizer Handelspolitik.
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WirtschaftAnalyse09:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Parmelin wirbt für Freihandel – wo die Schweiz offen bleibt und wo nicht

Der Bundespräsident verteidigt in New York offene Märkte. Ein Blick auf Zölle und Abkommen zeigt: Bei Industriegütern ist die Schweiz weit offen, in der Landwirtschaft deutlich weniger.

Guy Parmelin hat die UNO-Generalversammlung genutzt, um vor neuen Barrieren zu warnen. Der Bundespräsident verband sein Plädoyer für Freihandel mit der Forderung, Staaten sollten «einen offenen Austausch pflegen und keine neuen Hindernisse errichten». Die Botschaft vom 22. September in New York passt zu einem kleinen, stark exportabhängigen Land. Sie wirft aber auch eine naheliegende Frage auf: Wie offen ist die Schweiz in ihrer eigenen Handelspolitik?

Eine Rede im Zeichen neuer Handelskonflikte

Parmelins Auftritt war breiter angelegt als eine handelspolitische Grundsatzrede. Er sprach über Dialog, technologische Umbrüche und die Schwächung internationaler Institutionen. Freier Handel war Teil eines grösseren Arguments: Regeln und Austausch sollen Machtpolitik und Abschottung begrenzen.

Für die Schweiz ist das nicht nur Diplomatie. Pharma, Maschinen, Präzisionsinstrumente und Uhren werden in globalen Wertschöpfungsketten produziert und verkauft. Neue Zölle verteuern Vorleistungen, schwächen die Wettbewerbsfähigkeit und können Gegenmassnahmen auslösen. Gerade kleinere Staaten profitieren deshalb von berechenbaren Regeln stärker als Grossmächte, die Marktzugang als Druckmittel einsetzen können.

Industriegüter: Die Schweiz hat weit geöffnet

Bei Industriegütern ist die Schweizer Praxis tatsächlich liberal. Seit Anfang 2024 erhebt der Bund keine Einfuhrzölle mehr auf Industrieprodukte. Laut Welthandelsorganisation waren 2026 rund 90 Prozent der Schweizer Zollpositionen zollfrei. Der einfache Durchschnitt der angewandten Meistbegünstigungszölle lag über alle Waren bei 3,0 Prozent; handelsgewichtet waren es für 2024 1,0 Prozent.

Dazu kommt ein dichtes Netz von Freihandelsabkommen, die die Schweiz bilateral oder gemeinsam mit ihren EFTA-Partnern abgeschlossen hat. Das Abkommen mit Indien ist seit dem 1. Oktober 2025 in Kraft. Das Abkommen mit den Mercosur-Staaten wurde am 16. September 2025 unterzeichnet; die Unterzeichnung bedeutet noch nicht, dass es bereits in Kraft ist. Solche Verträge senken Zölle, regeln Ursprungsnachweise und schaffen Verfahren für technische Handelshemmnisse.

Ein aktuelles Beispiel ist China. Die Schweiz schloss im August 2026 die Verhandlungen über die Optimierung des bestehenden Freihandelsabkommens ab. Nach Angaben des SECO sollen damit 99,8 Prozent der aktuellen Schweizer Exporte zollfrei auf den chinesischen Markt gelangen können. Die neuen Bestimmungen gelten jedoch noch nicht: Nach der rechtlichen Bereinigung sind die Unterzeichnung und anschliessend die innerstaatlichen Genehmigungsverfahren vorgesehen.

Die Wirkung solcher Abkommen ist nicht automatisch symmetrisch. Unternehmen nutzen Präferenzen nur, wenn sie die Ursprungsregeln erfüllen und der administrative Aufwand kleiner ist als die Zollersparnis. Für kleine Firmen kann genau dieser Aufwand eine Hürde bleiben.

Symbolbild eines Parlamentsgebäudes zu einer eidgenössischen Volksinitiative
Symbolbild zur Volksinitiative – kein dokumentiertes Abstimmungsbild. · JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild

Landwirtschaft bleibt deutlich stärker geschützt

In der Landwirtschaft setzt die Schweiz deutlich stärker auf Schutzinstrumente. Sie schützt zahlreiche Agrarprodukte mit Zöllen, Zollkontingenten und Inlandstützung. Die WTO hat in ihren Länderprüfungen wiederholt auf hohe Agrarzölle und die staatliche Unterstützung hingewiesen. Die Abschaffung der Industriezölle hat daran nichts geändert.

Damit verfolgt die Schweiz je nach Sektor unterschiedliche Ziele: Bei Industriegütern setzt sie stark auf offenen Marktzugang, während sie in der Landwirtschaft Versorgungssicherheit, landwirtschaftliche Einkommen und weitere agrarpolitische Ziele stärker gewichtet.

Freihandelsabkommen ersetzen die WTO nicht

Die Schweiz reagiert auf blockierte multilaterale Verhandlungen mit regionalen Verträgen. Das verschafft Exporteuren Zugang zu einzelnen Märkten, schafft aber auch ein Geflecht unterschiedlicher Regeln. Die WTO hält in ihrem Welthandelsbericht 2026 fest, dass regionale und gezielte Abkommen zwar neue Regeln erproben können, zugleich aber die Fragmentierung des Welthandels verstärken können.

Parmelins Rede berührt damit ein zentrales Interesse der Schweiz: Für das Land ist ein funktionierendes multilaterales System wertvoller als eine Welt, in der jeder Marktzugang einzeln ausgehandelt wird. Bilaterale Verträge sind eine Absicherung, aber kein vollständiger Ersatz für allgemein geltende Regeln und eine handlungsfähige Streitbeilegung.

Offenheit bleibt eine politische Auswahl

Die Schweiz setzt Parmelins Freihandelsbotschaft bei Industriegütern weitgehend um. Sie hat eigene Industriezölle beseitigt und sichert Marktzugang über zahlreiche Abkommen. Gleichzeitig schützt sie die Landwirtschaft deutlich stärker. Das ist keine begriffliche Unvereinbarkeit, sondern das Ergebnis unterschiedlicher politischer Prioritäten.

Parmelins Rede beschreibt damit ein strategisches Interesse der Schweiz: Als kleine, stark international verflochtene Volkswirtschaft ist sie auf berechenbaren Marktzugang angewiesen. Die eigene Handelspolitik zeigt zugleich, dass diese Offenheit nicht in allen Bereichen gleich weit reicht.

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