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Neutraler Dienstplan, Stethoskop und Taschenrechner als Symbol für Personalplanung und Kosten in der Pflege.
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GesundheitRecherche10:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

Temporärpflege ist teuer – aber die Rechnung beginnt erst dort

Personalverleih kostet Spitäler mehr als eine Festanstellung. Ob er wirtschaftlich unsinnig ist, entscheidet sich jedoch daran, welche Lücke er schliesst und was ohne ihn passieren würde.

Das Bundesgutachten hält fest, dass die Kosten für vermittelt und geliehen eingesetztes Personal höher sind als für Festangestellte. Für das Ausmass der Mehrkosten verweist es jedoch auf unterschiedliche Einschätzungen. Eine schweizweit einheitliche Differenz pro Einsatzstunde lässt sich daraus nicht ableiten.

Das ist für Prämienzahlende, Kantone und Spitäler wichtig. Es geht nicht darum, Agenturarbeit schönzureden. Es geht um die richtige Frage: Ist sie eine seltene Absicherung bei kurzfristigen Ausfällen – oder ersetzt sie dauerhaft Stellen, die ein Betrieb nicht besetzen oder halten kann?

Temporär ist nicht gleich befristet

Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) trennt zwei Modelle. Bei einer privaten Arbeitsvermittlung finden Stellensuchende und Arbeitgeber zusammen. Beim Personalverleih wird die Pflegeperson dagegen vom Verleiher entlöhnt und arbeitet im Einsatzbetrieb. Umgangssprachlich heisst beides oft «temporär», rechtlich und wirtschaftlich ist es nicht dasselbe.

Auch ein betriebsinterner Pool ist kein Personalverleih, sofern die Pflegefachpersonen direkt bei der Institution angestellt sind. Wer alle befristeten Einsätze oder internen Springerpools in dieselbe Kostenkategorie steckt, vergleicht unterschiedliche Modelle. Das Obsan misst beim Personalverleih nur Personen, die ihre Stelle über ein Büro fanden und von diesem bezahlt werden.

Neutraler Einsatzplanungstisch mit Namenskarten und Balkendiagramm als Symbol für verschiedene Personalmodelle.
KI-generiertes Symbolbild · JournalPlus. Eine nachhaltige Personalstrategie verbindet feste Teams mit planbarer Reserve statt dauerhafter Notlösungen. · KI-generiertes Symbolbild · JournalPlus

Die nationale Statistik ist zudem keine vollständige Rechnung aller Schweizer Gesundheitsinstitutionen. Sie stützt sich auf die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung und erfasst die ständige Wohnbevölkerung. Grenzgängerinnen, Grenzgänger und Kurzaufenthalterinnen und Kurzaufenthalter fehlen. Das Obsan warnt deshalb selbst davor, aus dem Indikator auf den gesamten Umfang des Personalverleihs zu schliessen – besonders in grenznahen Regionen.

Mehrkosten sind dokumentiert, ihre Höhe ist nicht standardisiert

Der Befund des Bundesgutachtens reicht für eine seriöse Debatte: Vermittelte und geliehene Pflegekräfte kosten mehr als Festangestellte. Offen bleibt, wie gross der Abstand in einem bestimmten Spital tatsächlich ist. Verträge, Qualifikation, Einsatzdauer, Nacht- und Wochenenddienste sowie regionale Arbeitsmärkte unterscheiden sich. Aus einzelnen Rechnungen oder Branchenangaben eine nationale Pauschale abzuleiten, wäre deshalb nicht belastbar.

Die Mehrkosten sind trotzdem relevant. Werden externe Einsätze über Monate zur Normalität, können sie die Personalbudgets schwerer planbar machen. Gleichzeitig ist nicht jede hohe Rechnung ein Beweis für schlechte Führung. Das Obsan hält fest: Fehlt qualifiziertes Personal, steigt die Arbeitsbelastung des verbleibenden Teams oder das Angebot muss reduziert werden; beides kann die Versorgungsqualität beeinträchtigen. In einer akuten Lücke kann ein externer Einsatz deshalb Versorgung sichern, die sonst unter Druck geriete.

Die faire Rechnung braucht einen Vergleich

Wie wirtschaftlich ein Einsatz ist, lässt sich nicht mit dem Stundenansatz allein beantworten. Ein Spital sollte transparent vergleichen: Wie viel kostet der Verleihvertrag? Welche Alternative bestand konkret? Welche zusätzlichen Dienste, Absenzen oder Angebotsreduktionen wären ohne Ersatz wahrscheinlich gewesen? Diese Fragen liefern keine automatische Rechtfertigung. Sie verhindern aber, dass eine kurzfristige Notlösung und ein strukturelles Problem verwechselt werden.

Ebenso wichtig ist die Perspektive der Pflegenden. Das Bundesgutachten beschreibt interne und externe Pools als mögliche Instrumente gegen Überlastung des Festpersonals. Es weist aber auch darauf hin, dass wechselnde Arbeitsorte, Teams und unregelmässige Einsatzzeiten für Pool-Pflegefachpersonen belastend sein können. Wer nur auf die Agenturrechnung schaut, übersieht sowohl den Schutz des Stammteams als auch die Risiken für die eingesetzten Fachpersonen.

Die richtige Schlussfolgerung ist nicht ein allgemeines Verbot. Ein flexibler Pool kann bei Krankheit, Ferien, saisonalen Belastungen oder unerwarteten Ereignissen sinnvoll sein. Zum Warnsignal wird er, wenn ein Spital regelmässig auf externe Kräfte angewiesen bleibt, weil Dienstpläne, Entwicklungsmöglichkeiten oder Bindung an den Beruf nicht tragen.

Weshalb das Prämienzahlende betrifft

Bei stationären Leistungen in Listenspitälern finanzieren die Kantone heute mindestens 55 Prozent der Kosten; höchstens 45 Prozent werden über Prämien gedeckt. Höhere Personalkosten erscheinen also nicht eins zu eins auf der nächsten Prämienrechnung. Sie belasten aber Spitalbudgets sowie öffentliche Haushalte und Versicherungsfinanzierung. Ab 2028 soll die einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen greifen; die Anreize und Geldflüsse verändern sich damit erneut.

Für Herr und Frau Schweizer ist Transparenz deshalb wichtiger als eine spektakuläre Zahl. Spitäler sollten intern und gegenüber ihren Trägerschaften ausweisen können, wie viele Stunden sie über Personalverleih abdecken, welche Funktionen betroffen sind, wie lange die Einsätze dauern und welche Kosten dem gegenüberstehen. Das ist eine journalistisch begründete Forderung nach Steuerungswissen, keine heute einheitlich vorgeschriebene nationale Kennzahl.

Flexibilität als Reserve, nicht als Dauerlösung

Die Pflegeinitiative und ihre Umsetzung richten den Blick nicht nur auf Ausbildungsplätze, sondern auch auf Arbeitsbedingungen und berufliche Entwicklung. Das passt zur Kostenfrage: Wer Fachpersonen im Beruf hält und interne Reserven sinnvoll organisiert, senkt die Abhängigkeit von kurzfristigen Notlösungen, ohne sie unmöglich zu machen.

Temporärarbeit ist damit weder per se Verschwendung noch ein Beweis für Versorgungssicherheit. Sie ist teurer als eine Festanstellung, doch die konkrete Rechnung hängt vom Einsatz ab. Gute Spitalführung erkennt den Unterschied – und erklärt ihn offen, bevor ein Ausnahmeinstrument zum dauerhaften Geschäftsmodell wird.

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