
Smartphone-Kauf: Warum Reparierbarkeit auf den Vergleich gehört
Beim Gerätekauf lassen sich heute auch Reparierbarkeit und Haltbarkeit vergleichen. Die Energieetikette zeigt mehr als den Stromverbrauch.
Im Laden wirken zwei neue Smartphones oft erstaunlich ähnlich. Beide haben grosse Displays, mehrere Kameras und ausreichend Speicher für den Alltag. Der Unterschied, der einige Jahre später entscheidend werden kann, ist weniger auffällig: Wie aufwendig lässt sich ein defektes Teil ersetzen? Und lohnt sich die Reparatur noch, wenn der Akku schwach wird?
Wer am Samstag ein Gerät vergleicht, hat dafür inzwischen eine zusätzliche Informationsquelle. Seit dem 1. Juli 2025 gilt in der Schweiz die neue Energieetikette für entsprechend neu in Verkehr gebrachte Smartphones und Slate-Tablets. Das Bundesamt für Energie erklärt ausdrücklich, dass sie neben dem Energieverbrauch auch weitere Eigenschaften sichtbar macht. Die Kennzeichnung ist damit wesentlich mehr als ein Hinweis auf die nächste Stromrechnung.
Ein Buchstabe beantwortet nicht jede Frage
Die Energieeffizienz wird auf einer Skala von A bis G angegeben. Daneben stehen unter anderem Batterielaufzeit, Widerstandsfähigkeit gegen wiederholte Stürze, Reparierbarkeit und Schutz gegen eindringende Feuchtigkeit oder Partikel. Diese Angaben dürfen nicht zu einer einzigen Gesamtnote verschmolzen werden. Ein Gerät kann bei einer Eigenschaft gut abschneiden und bei einer anderen weniger überzeugen.
Besonders leicht werden zwei Batterieangaben verwechselt. Die Laufzeit pro Ladung betrifft die Nutzung bis zum nächsten Aufladen. Die Haltbarkeit in Ladezyklen beschreibt dagegen, wie lange die Batterie ihre Kapazität unter den vorgesehenen Prüfbedingungen erhält. Ein Telefon mit langer Laufzeit ist damit nicht automatisch dasjenige, dessen Akku nach Jahren am besten dasteht.
Die standardisierten Werte sind vor allem für den Vergleich gedacht. Persönliche Nutzung, Netzverbindung und Einstellungen können von den Prüfbedingungen abweichen. Niemand sollte deshalb eine Stundenangabe als genaue Zusage für den eigenen Alltag lesen. Ihr Nutzen liegt darin, dass verschiedene Modelle auf einer gemeinsamen Grundlage betrachtet werden können.

Reparierbarkeit wird sichtbar
Die Europäische Kommission erläutert die Reparierbarkeitsklassen von A bis E, wobei A die beste Klasse ist. Grundlage ist ein Index mit mehreren Parametern. Die Schweizer Vorschriften übernehmen laut BFE die entsprechenden europäischen Anforderungen. Wer ein Angebot prüft, kann dadurch gezielter nachfragen, statt Reparierbarkeit nur aus dem Werbeversprechen eines Herstellers abzuleiten.
Die Ökodesignregeln enthalten beispielsweise Anforderungen an langlebige Batterien: mindestens 800 Lade- und Entladezyklen bei verbleibenden 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität. Für wichtige Ersatzteile gelten Verfügbarkeitsvorgaben bis sieben Jahre nach dem Verkaufsende des Modells auf dem EU-Markt. Auch die Versorgung mit Betriebssystemaktualisierungen ist geregelt; die Kommission nennt mindestens fünf Jahre ab dem Ende des Inverkehrbringens der letzten Einheit eines Modells.
Das sind jeweils unterschiedliche Fristen und Bezugspunkte. «Fünf Jahre» bedeutet deshalb nicht einfach fünf Jahre ab dem persönlichen Kassenbon. Für ein konkretes Modell lohnt sich die Frage, welchen Supportzeitraum der Hersteller tatsächlich zusichert und wo diese Zusage dokumentiert ist.
Was auf dem Etikett fehlt
Eine hohe Reparierbarkeit ist keine Garantie für eine billige Reparatur. Ersatzteilpreis, Arbeitskosten und der konkrete Schaden bleiben entscheidend. Ein austauschbares Display kann technisch gut zugänglich sein und trotzdem einen Betrag kosten, der die persönliche Entscheidung beeinflusst. Vor dem Kauf nach typischen Akku- und Displayreparaturen zu fragen, ergänzt daher die standardisierte Kennzeichnung sinnvoll.
Ebenso wenig beantwortet das Label allein, ob ein neues Gerät überhaupt nötig ist. Wer am bisherigen Telefon nur die nachlassende Laufzeit bemängelt, kann zuerst eine fachliche Prüfung des Akkus erwägen. Ob sich das lohnt, hängt auch von Softwareversorgung, Zustand und Preis ab. Daraus lässt sich keine pauschale Empfehlung für jedes alte Telefon ableiten.
Ein Vergleich über mehrere Jahre
Für den Kaufentscheid hilft eine einfache Reihenfolge: zunächst die tatsächlich benötigten Funktionen festlegen, dann Haltbarkeit und Reparierbarkeit vergleichen und schliesslich konkrete Serviceangaben einholen. Der tiefste Verkaufspreis und die niedrigsten Kosten über mehrere Jahre sind nicht zwingend dasselbe. Ohne verlässliche Angaben zur Nutzungsdauer wäre eine genaue Gesamtkostenrechnung allerdings nur scheinbar präzise.
Die neue Kennzeichnung verschiebt damit die Frage im Geschäft. Neben «Was kann das Telefon heute?» tritt «Was kann ich damit tun, wenn etwas kaputtgeht?». Die Kamera bleibt wichtig für gute Bilder. Für ein langes Geräteleben kann die weniger spektakuläre Reparaturinformation wichtiger sein.
Quellen
BFE: Telefone und Tablets · BFE: Faktenblatt zu Anforderungen und Energieetikette · Europäische Kommission: Smartphones und Tablets · EU: Verbraucherleitfaden zur Kennzeichnung



