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Fassade der New York Stock Exchange mit amerikanischer Fahne
Die New York Stock Exchange, Archivaufnahme vom 20. Dezember 2017. Donatingpictures / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0, unverändert. Original und Lizenz im Quellenblock.
FinanzenAnalyse07:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

Aktien legen nach US-Wahl zu, Dollar verliert zum Franken

US-Börsen drehen nach anfänglichen Verlusten ins Plus, Öl und Anleiherenditen fallen. Für Anleger in der Schweiz zählt auch die Umrechnung ihrer Dollarwerte.

US-Aktien haben am 4. November nach dem Wahlsieg der Demokraten deutlich zugelegt. Zugleich sanken der Dollar und die Renditen amerikanischer Staatsanleihen. Der S&P 500 lag um 14.04 Uhr New Yorker Zeit, also 20.04 Uhr in der Schweiz, laut Bloomberg 1,8 Prozent im Plus. Der Dow Jones gewann 2,9 Prozent, der Nasdaq 100 1,2 Prozent. Das sind Zwischenstände, keine Schlusskurse.

Für Schweizer Anleger verlief der Tag damit in zwei Richtungen: Amerikanische Aktien wurden teurer, die Währung dieser Anlagen verlor gegenüber dem Franken an Wert. Wie viel von einem Kursgewinn in einem Schweizer Depot ankommt, hängt deshalb auch davon ab, ob das Dollarrisiko abgesichert ist.

Energieaktien fallen trotz des breiten Anstiegs

Die Bewegung war keine gleichmässige Rally sämtlicher Branchen. Reuters berichtete über Gewinne bei Kommunikationsdiensten, zyklischen Konsumwerten und Basiskonsumgütern. Energieunternehmen gehörten dagegen angesichts fallender Rohölpreise zu den Verlierern. In der am Nachmittag aktualisierten Meldung lag Brent-Rohöl rund neun Prozent tiefer bei 94.50 Dollar je Barrel.

Auch innerhalb der zuvor stark schwankenden Technologiewerte war das Bild differenziert. Nach der ersten Verunsicherung über mögliche schärfere KI-Regeln kehrten Käufer zurück. Bloomberg meldete einen Anstieg von rund drei Prozent bei einem Index grosser Technologiekonzerne. Höhere parlamentarische Kontrolle bedeutet noch nicht, dass bereits neue Einschränkungen für Rechenzentren beschlossen wären.

Neben dem Wahlausgang bewegten Unternehmensnachrichten die Kurse. Bloomberg verwies unter anderem auf Umsatzprognosen von AMD und Super Micro Computer, die über den Analystenerwartungen lagen. Wer jede Bewegung allein den neuen politischen Mehrheiten zuschreibt, übersieht damit die gleichzeitig laufende Berichtssaison.

In Europa legte der breit gefasste Stoxx 600 laut Reuters um 1,87 Prozent auf ein Zweimonatshoch zu. Der weltweite MSCI-All-World-Index gewann 1,56 Prozent. Diese Indizes bilden unterschiedliche Märkte ab und sind weder mit dem Schweizer SMI noch mit der Entwicklung einer einzelnen Aktie gleichzusetzen.

Weniger erwartete Staatsausgaben stützen Anleihen

An den Anleihemärkten setzten Investoren auf engere Grenzen für Trumps finanzpolitische Agenda. Marktstrategen begründeten die Käufe gegenüber den Agenturen mit der Erwartung, dass eine geteilte Macht in Washington weitere grosse Ausgabenprogramme oder Steuersenkungen erschweren könnte. Das ist eine Markteinschätzung über künftige Entscheidungen, kein bereits verabschiedeter Sparbeschluss.

Steigende Anleihekurse gehen bei unveränderten Zahlungsversprechen mit sinkenden Renditen einher. Bloomberg bezifferte den Rückgang der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf sieben Basispunkte auf 4,89 Prozent. Sieben Basispunkte entsprechen 0,07 Prozentpunkten. Die niedrigere Rendite ist somit weder ein Rückgang um sieben Prozent noch eine Änderung des Leitzinses durch die US-Notenbank.

Gebäude der Schweizerischen Nationalbank am Bundesplatz in Bern
Die Schweizerische Nationalbank in Bern. Archivaufnahme vom 11. Januar 2012, kein Bild einer aktuellen geldpolitischen Ankündigung. Zairon / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0, unverändert.

Der Franken schmälert ungesicherte Dollargewinne

Reuters nannte in seinem um 13.54 Uhr New Yorker Zeit aktualisierten Bericht einen Frankenanstieg von rund 0,5 Prozent gegenüber dem Dollar. Ein Dollar kostete demnach ungefähr 0.817 Franken. Dieser Devisenstand liegt zeitlich etwas vor den genannten Bloomberg-Aktienwerten; daraus lässt sich keine exakte Tagesrendite eines Schweizer Portfolios berechnen.

Der Währungseffekt lässt sich aber mit einem vereinfachten Beispiel zeigen. Steigt eine Dollar-Anlage um zwei Prozent und verliert der Dollar im selben Zeitraum gegenüber dem Franken 0,5 Prozent, werden aus einem anfänglichen Gegenwert von 1000 Franken rund 1014.90 Franken. Der Gewinn beträgt dann vor Gebühren und Steuern etwa 1,49 statt zwei Prozent. Das ist eine Modellrechnung, nicht die gemessene Wertentwicklung eines bestimmten Fonds an diesem Handelstag.

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC weist bei Auslandsanlagen ausdrücklich darauf hin, dass Wechselkursänderungen die Rendite erhöhen oder verringern können. Der Mechanismus gilt spiegelbildlich für Schweizer Anleger mit Dollarwerten. Eine steigende Aktie und eine sinkende Anlagewährung können sich teilweise ausgleichen; fällt die Währung stark genug, kann selbst bei einem höheren Aktienkurs ein Verlust in der Heimwährung entstehen.

Neue Kongressmehrheiten wirken erst ab Januar

Zwischen der heutigen Neubewertung an der Börse und neuen politischen Entscheidungen liegt zudem ein fester Termin. Nach dem 20. Zusatzartikel der US-Verfassung beginnen die neuen Amtszeiten der Abgeordneten und Senatoren am 3. Januar, in diesem Fall 2027. Die Kurse nehmen damit Erwartungen vorweg. Bis dahin arbeitet der Kongress weiterhin in seiner bisherigen Zusammensetzung.

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