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Archivbild «The Blue Marble»: Aufnahme der Apollo-17-Besatzung vom 7. Dezember 1972, digital überarbeitete Fassung. NASA / Apollo 17 / Wikimedia Commons, Public Domain. Keine aktuelle Temperaturdarstellung.
WissenschaftAnalyse19:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Copernicus erwartet 2026 erneut mehr als 1,5 Grad Erwärmung

Nach dem wärmsten Oktober der ERA5-Reihe liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Überschreitung im Jahresmittel bei über 99 Prozent. Für das Pariser Klimaziel zählt jedoch die langfristige Entwicklung.

2026 wird nach der aktuellen Prognose des europäischen Klimadienstes Copernicus fast sicher ein weiteres Kalenderjahr mit mehr als 1,5 Grad globaler Erwärmung. Das statistische Modell beziffert diese Wahrscheinlichkeit auf über 99 Prozent. Für den Jahresdurchschnitt ergibt sich gegenüber der vorindustriellen Vergleichsperiode 1850–1900 ein Vorhersageintervall von 1,56 bis 1,61 Grad.

Die Berechnung berücksichtigt die ersten zehn Monate und schätzt die noch ausstehenden Werte für November und Dezember. Am wahrscheinlichsten ist Rang zwei hinter dem Rekordjahr 2024. Copernicus gibt aber auch eine rund 20-prozentige Chance an, dass 2026 den bisherigen Höchstwert erreicht oder übertrifft. Eine abgeschlossene Jahresbilanz ist das noch nicht. Das Modell wurde an den ERA5-Daten von 1979 bis 2025 trainiert und nutzt unter anderem jüngste Land- und Meerestemperaturen.

Der Oktober setzte einen neuen Monatsrekord

Die weltweite oberflächennahe Lufttemperatur betrug im Oktober durchschnittlich 15,35 Grad. Damit war er in der ERA5-Reihe der wärmste Oktober. Gegenüber dem geschätzten vorindustriellen Oktober lag die Abweichung bei 1,75 Grad. Es war der dritte Monat hintereinander oberhalb von 1,5 Grad.

Weisse Wetterhütte mit Lamellen auf einem Gestell im Freien
Archivbild von 2005: Wetterhütte als Illustration meteorologischer Messungen. Kein Bild der aktuellen Copernicus-Auswertung. CambridgeBayWeather / Wikimedia Commons, vom Urheber zur freien Nutzung freigegeben (Public Domain).

Zwei Bezugsperioden für dieselbe Erwärmung

Copernicus weist die Temperaturen auch gegenüber dem Durchschnitt von 1991–2020 aus. Diese jüngere Referenz empfiehlt die Weltorganisation für Meteorologie für die Beobachtung des heutigen Klimas. Sie ist nicht mit der vorindustriellen Basis austauschbar. Eine kleinere Abweichung von diesem neueren, bereits wärmeren Vergleichszeitraum beschreibt deshalb nicht automatisch eine schwächere Erwärmung.

ERA5 reicht bis 1940 zurück und ist eine globale Reanalyse: Sie rekonstruiert den Zustand der Atmosphäre aus Beobachtungen und Modellberechnungen. Für den Vergleich mit 1850–1900 braucht es deshalb zusätzlich eine aus mehreren historischen Temperaturdatensätzen abgeleitete Schätzung. Bei globalen Jahresmitteln addiert Copernicus einen Standardaufschlag von 0,88 Grad zur Abweichung gegenüber 1991–2020; bei Monatswerten variiert dieser Aufschlag.

Auch die gemessene Grösse ist festgelegt. Die oberflächennahe Lufttemperatur bezeichnet in ERA5 die Temperatur in zwei Metern Höhe über Land und Meer. Sie ist nicht dasselbe wie die Wassertemperatur. Beim Lesen verschiedener Temperaturmeldungen müssen deshalb Bezugszeitraum, räumliche Abdeckung und Messgrösse zusammenpassen.

Paris beurteilt mehr als ein Kalenderjahr

Das Pariser Abkommen soll die Erwärmung deutlich unter zwei Grad halten und Anstrengungen zu ihrer Begrenzung auf 1,5 Grad vorantreiben. Gemeint ist ein langfristiges globales Erwärmungsniveau. Ein einzelner warmer Monat oder ein einzelnes Jahr entscheidet daher nicht allein darüber, ob dieses Niveau erreicht ist.

Die Klimaforscher Hayley Fowler und Richard Betts erläutern in einer Veröffentlichung des britischen parlamentarischen Wissenschaftsdienstes POST, dass dafür üblicherweise ein Zwanzigjahresmittel betrachtet wird. Damit sollen natürliche Schwankungen zwischen einzelnen Jahren vom langfristigen, menschengemachten Trend unterschieden werden. Eine aktuelle Schätzung kann Beobachtungen des vergangenen Jahrzehnts mit Modellprojektionen für das nächste kombinieren.

Kurzzeitige Überschreitungen sind allerdings kein belangloser Ausschlag. Die Forschenden bezeichnen ein Jahr über 1,5 Grad als frühes Signal für die Annäherung an das langfristige Niveau. Zudem ist der globale Mittelwert keine Temperaturvorgabe für jeden Ort: Land erwärmt sich im Allgemeinen schneller als Ozeane. Aus dem Weltmittel lässt sich deshalb kein gleich hoher Anstieg für die Schweiz oder einen einzelnen Sommer ablesen.

Die Dauer einer Überschreitung bleibt veränderbar

Das UN-Umweltprogramm UNEP untersucht in seinem im September 2026 vorgestellten Bericht «Limiting Overshoot», wie sich Höhe und Dauer einer Überschreitung begrenzen lassen. Es fordert rasche, anhaltende Senkungen der Treibhausgasemissionen und zugleich Anpassung an die Folgen. Risiken nähmen mit jedem zusätzlichen Bruchteil eines Grades und mit der Dauer höherer Temperaturen zu.

Eine spätere Rückkehr unter 1,5 Grad würde nach Darstellung von UNEP zusätzlich die Entnahme von CO₂ aus der Atmosphäre erfordern. Diese soll Emissionssenkungen ergänzen, nicht ersetzen. Die Organisation warnt zudem, dass eine sinkende Temperatur bereits eingetretene Verluste nicht vollständig rückgängig macht.

Die noch fehlenden November- und Dezemberwerte werden über den genauen Jahreswert entscheiden. Wie lange sich die Erde auf diesem hohen Temperaturniveau bewegt, hängt dagegen nicht von der Rangliste zweier Rekordjahre ab, sondern vom weiteren Ausstoss an Treibhausgasen.

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